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Donkey Kong Jr.

Donkey Kong Jr.
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Geschrieben von Christian Leuenberg

Donkey Kong Jr. ist ein NES-Spiel aus dem Jahre 1983, das von der Automatenversion von 1982 portiert wurde und die Fortsetzung des klassischen Donkey Kong darstellt. Während „Jr.“ nicht so nachhaltig erfolgreich wie die ursprüngliche Version des Titels war, ist dieses Spiel dank solidem Gameplay und überdurchschnittlicher Präsentation ein Klassiker für sich. Im Vergleich zu seinen Konkurrenten aus dem gleichen Jahr, sticht Donkey Kong Jr. hervor als eines der besten Beispiele für kurzweilige Arcade-Plattformer. Es wäre Blasphemie zu behaupten, die NES-Portierung sei der Arcade-Version vorzuziehen, aber – so wird es im nachfolgenden Bericht hoffentlich deutlich – macht die NES Classic Mini Version deutlich mehr Spaß und bietet mehr Abwechslung als das frustrierende, münzsaugende Arcade-Gegenstück.

Donkey Kong Jr. hat fast das identische Gameplay wie sein Vorgänger: Der Spieler steuert Donkey Kong Jr., während er durch vier Plattformstufen navigiert, um seinen Vater zu retten. Die große Ergänzung zu diesem Spiel sind die Reben, die der Spieler durchqueren muss, um die Spitze der Bühne und das Ziel zu erreichen. DK Jr. bewegt sich ziemlich langsam entlang dieser Reben/Ketten/Seile und obwohl dies eine Quelle der Frustration darstellen kann, fügt es dem Gameplay einen gewissen Spaß hinzu. Es sei darauf hingewiesen, dass sich DK Jr. in der NES-Version im Gegensatz zur Arcade-Version deutlich schneller an diesen Hindernissen entlang hangelt. Ein weiteres wichtiges Merkmal einer jeden Spielphase sind die traditionellen Plattform- und Ausweichgefahren sowie Gegner auf dem Bildschirm. Die Vielfalt der Hindernisse ist erfreulich groß und wirkt erfrischend auf das Gameplay.

Während diese einfache Formel des Spielkonzeptes sicherlich ein Erfolgsgarant ist, gibt es eine Reihe von Problemen, die zu Frustmomenten führen kan. Wie im Originalspiel muss das Springen absolut präzise durchgeführt werden. Das Herunterfallen aus geringer Höhe führt bereits zum Bildschirmtod. Ein weiterer wirklich frustrierender Aspekt des Spiels stellt sich in Form kleiner Krokodile dar, welche den Spieler verfolgen, während durch die Reben navigiert werden muss. Die Krokodile wandern entlang der Reben und haben je nach Farbe unterschiedliche Bewegungsmuster. Abhängig von Zufall und Glück, kommt es zum Zusammenschluss der Krokodile gegen Donkey Kong Jr., was zum virtuellen Tod und Frustration führt. Auch dies ist ein Manko, welches in der Arcade-Version noch viel offensichtlicher als in der NES-Version auftritt.

Die Story des Spiels geht definitiv über das hinaus, was Inhalt und Präsentation für ein Spiel von 1983 betrifft. Der bemerkenswerteste Aspekt der Handlung ist jedoch sicherlich die Tatsache, dass Mario der Antagonist und nicht der Held ist. Es wird zwar nie erklärt, warum Mario beschlossen hat, das Leben des armen Donkey Kong zu ruinieren, aber die Entwickler haben hervorragende Arbeit geleistet, damit er böse aussieht und Donkey Kong zur sympathischen Figur wird. Warum gab es eigentlich nicht mehr Spiele mit Mario als Bösewicht?

Die Grafik in Donkey Kong Jr. ist sehr klar und durch dem HDMI-Ausgang des NES Classic Mini gestochen scharf. Die Donkey Kong und Mario Sprites sind unverändert zum Originalspiel, das Level-Design ist einfach hervorragend. Die Animationen sind sehr flüssig und mit Liebe zum Detail – beispielsweise die herausspringenden Augen von DK Jr. beim Fall in den Bildschirmtod. Auch die Gegner sind gut animiert, können aber darüberhinaus nicht mit viel Abwechslung oder weiteren Details aufwarten.

Der Soundtrack ist sehr einfach aber gleichzeitig extrem eingängig komponiert. In Anbetracht der allgemeinen Atmosphäre des Abenteuers passt dieser perfekt. Die Musik und die Soundeffekte sind nicht so „verrückt“ oder unvergesslich wie noch zuvor in Donkey Kong, aber sie wirken immer passend und sorgen für gute Laune. Besonders liebevoll ist die kleine Bach-Stimmung zu Beginn. Die Soundeffekte sind ein wenig enttäuschend und nicht so raffiniert wie die Musik. Das Geräusch beim klettern an den Reben ist besonders nervig und klingt unfertig.

Donkey Kong Jr. lässt sich locker mit einer Spielzeit zwischen 30 und 40 Minuten abschließen. Echte Profis benötigen vermutlich noch deutlich weniger Zeit. Das Spiel ist somit sehr kurz geraten und offensichtlich durch einen harten Schwierigkeitsgrad aufgeblasen, aber das spaßige Gameplay und die Herausforderung des Highscores tragen ihren Anteil bei. Die simple Schleife nach Spielende enttäuscht möglicherweise, das Kern-Gameplay ist dennoch sehr stark und immer ein Spiel wert.

Aus dem Englischen übersetzt

Wertung
  • 70%
    Grafik - 70%
  • 55%
    Sound - 55%
  • 80%
    Steuerung - 80%
  • 80%
    Spielspaß - 80%
71.3%

Fazit

Donkey Kong Jr. wird im Vergleich zu seinem berühmteren Vorgänger oft vergessen, aber dieses Teil der Serie ist ein echter Klassiker für sich und somit nachvollziehbar ein Teil der vorinstallierten NES Classic Mini Spiele. Mario in seiner seltenen Rolle als Antagonisten zu sehen macht diesen Titel ohnehin zu etwas Besonderem.

Über den Autor

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Christian Leuenberg

Christian ist Musiker und freiberuflicher Webentwickler, gründete und leitete zuvor die Onlinemagazine Wii Insider, Press A Button sowie N Insider. Als NES-Liebhaber konzentriert er sich mit NES-Classic-Mini.com nun auf alle Themen rund um die NES-Neuauflage.

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